Im Modul Medizin 2 des Studiengangs Scientific Visualization an der ZHdK bestand die Aufgabe darin, einen medizinischen Sachverhalt beziehungsweise eine Struktur des menschlichen Körpers eigenständig auszuwählen und visuell aufzubereiten. Für diese Arbeit entschied ich mich für die Alveolen der Lunge, da sie eine zentrale Rolle im Gasaustausch spielen und gleichzeitig eine faszinierende mikrostrukturelle Form besitzen.
Die Visualisierung wurde als 3D-Szene aufgebaut und anschliessend in Photoshop weiterbearbeitet, um Materialität, Lichtstimmung und räumliche Tiefe präziser herauszuarbeiten.
Alveoläre Mikrostruktur
Alveoläre Mikrostruktur
Wahrheit und Gestaltung in der wissenschaftlichen Visualisierung
Ausgehend von dieser Arbeit stellte sich für mich die Frage, wie wissenschaftliche Bilder durch gestalterische Entscheidungen beeinflusst werden und wie stark diese unsere Wahrnehmung von „Wahrheit“ prägen. Besonders bei der Darstellung von Alveolen fiel mir auf, dass sie häufig als feste und geschlossene Körper visualisiert werden, obwohl ihre eigentliche Funktion auf Durchlässigkeit, Elastizität und dem kontinuierlichen Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid basiert.
Daraus entstand der Versuch, eine organischere und offenere Bildsprache zu entwickeln. Durch transparente, netzartige Strukturen sollte die Fragilität und Dynamik des Lungengewebes sichtbarer werden. Die Kombination aus 3D-Visualisierung und digitaler Nachbearbeitung diente dabei nicht nur der anatomischen Darstellung, sondern auch der Auseinandersetzung mit der Frage, wie wissenschaftliche Inhalte durch Gestaltung interpretiert und vermittelt werden.